Unterwegs in eisigen Welten |
| Von Leo Postl | Frankfurter Neue Presse | 29.04.09 |
| Andrea Helmuth und Kai Spamer trotzten den Widrigkeit der Antarktis |
| Bei minus zwei Grad zu einem Marathonlauf starten, ist gewiss nicht jedermanns Sache. Doch zwei Neu-Isenburger wagten das Abenteuer auf dem "Weißen Kontinent". |
| Neu-Isenburg. Wenn Pinguine bei einem Marathon winken, dann ist der Austragungsort entweder in einem zoologischen Garten – oder in der Antarktis. Andrea Helmuth und Kai Spamer haben sich für die extremere Variante entschieden. Die beiden Isenburger Langstreckenläufer nahmen am Marathon auf dem "Weißen Kontinent" teil. "Aber am Südpol waren wir noch lange nicht, der war immer noch mehr als 3000 Kilometer entfernt", sagt Andrea Helmuth, die mit dieser Aussage auch eine Vorstellung von der Größe der Antarktis geben will. Die 45-jährige Assistentin der Geschäftsleitung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft GENO in Zeppelinheim und der 42-jährige Angestellte bei Biotest in Dreieich nahmen die Herausforderung an. |

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| Eine Geröllpiste als Laufstrecke: Andrea Helmuth und Kai Spamer bewältigten in dem unwirtlichen Land die 42-Kilometer-Strecke. |
Vorliebe fürs Extreme |
| Wenn es um die Antarktis geht, denkt jeder sicherlich an extreme Bedingungen, und dort einen Marathon zu laufen, grenzt nach Ansicht der meisten Menschen schon ein wenig an Verrücktheit. Doch Andrea Helmuth und Kai Spamer lieben das Extreme. Sie laufen aus Freude, doch nur Laufen wäre für beide zu eintönig. „Wir versuchen, unsere Lauferei immer mit einem besonderen Anreiz zu verbinden“, berichtet Kai Spamer, der auf zuvor zurückgelegte Marathonläufe in der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt, im Hochhaus der Landesgewerbeanstalt oder unter Tage im Bergwerk Sondershausen verweist. |
| Warum also nicht auch mal einen Marathon in der Antarktis absolvieren, dachten sich die beiden, als sie davon erfuhren, dass der Marathonveranstalter „Marathon Tours“ mit Sitz in Bosten den Antarktis-Marathon organisisert. Da die 200 Startplätze schnell ausgebucht sind, war es erforderlich, sich bereits zwei Jahre zuvor anzumelden. Andrea Helmuth und Kai Spamer, die beide erst vor sechs Jahren zum Lauftreff Neu-Isenburg gestoßen sind, gehörten zu den Schnellen. |
| "Bei der Antarktis dachten wir auch an eisige Kälte, stürmische Winde und Eiszapfen am Kinn", sagt Andrea Helmuth schmunzelnd und zeigt auf ein Foto, das sie in ihrer Schiffskabine von sich gemacht hatte. Es zeigt das Läufer- Paar in Extrem-Ausrüstung. Während der Vorbereitung auf diesen Marathon haben sie im Winter auf dem Feldberg sogar mit Yak-Tracks (Schneeketten für Schuhe) trainiert. "Die Leute haben schon ziemlich befremdlich geguckt", erinnern sich die beiden. |
| Mondlandschaft |
| Bei ihrer Ankunft auf King George Island, einer dem antarktischen Festland vorgelagerten Insel, war es nämlich überraschend warm. "Als wir an den Start gingen, dürften es so minus zwei Grad gewesen sein", erinnert sich Kai Spamer. Die Umweltauflagen in dieser Region sind streng, es werden keine Menschenansammlungen von mehr als 100 Personen erlaubt. "Also gab es zwei Startpunkte und auch zwei separate Zieleinläufe", berichtet Spamer. |
| Die Laufstrecke beschreiben beide als Geröllpiste mit einem vergletscherten Anstieg. "Ach ja, und eine Pinguingruppe haben wir auch gesehen, ansonsten war es recht eintönig, es ähnelte einer Mondlandschaft", beschreibt Andrea Helmuth die Streckenführung. Unterwegs kam gar die Sonne durch die tiefe Wolkendecke, so dass sich das "Zwiebelprinzip" bei der Kleidung recht gut bewährte. Rund 880 Höhenmeter mussten beide bewältigen, ehe sie als 48. und 49. im Ziel waren. |
| Derzeit ist ein weiterer Ausnahme- Läufer des Isenburger Lauftreffs "on tour", Hans Damm startete in Bari und will am 21. Juni das Nordkap erreicht haben. |